Programm

Seit vielen Jahren sind die Russischen Filmtage als erfolgreiches Kontinuum der vielfältigen Kulturszenen in Münster und Düsseldorf etabliert. So konnten sie auch die pandemiebedingten Lockdowns überstehen. Noch ist die Pandemie nicht verschwunden. Dennoch freuen wir uns, dass wir mit unserer Filmauswahl wieder einen Einblick in die filmästhetische Umsetzung aktueller kultureller und gesellschaftlicher Diskurse in Russland bieten können. Gerade in dieser Zeit gefährlicher innen- und außenpolitischen Entwicklungen in Russland ist es wichtig zu zeigen, dass das Land auf zivilgesellschaftlicher Ebene eine international vernetzte Kultur auf Weltniveau zu bieten hat.

Unser Eröffnungsfilm Abteil Nr. 6 nimmt Sie mit auf eine Reise im Zug von Moskau zum nördlich des Polarkreises gelegenen Murmansk, im Abteil eine junge Frau und ein junger Mann, deren kulturelle Identität unterschiedlicher nicht sein könnte. Eine humorvoll-melancholisch psychologische Studie des Regisseurs Juho Kuosmanen.

In eine völlig andere Landschaft, eine völlig andere Kultur führt uns Kira Kovalenkos Geballte Fäuste, Russlands Kandidatin für den Oscar 2022. Der Film spielt in den Bergen Nordossetiens und spiegelt den Konflikt der jungen Generation mit einer paternalistisch geschlossenen islamisch geprägten Familienkultur dieses kaukasischen Volkes.

Im Film Liebe Genossen setzt sich Starregisseurs Andrei Kontschalowski mit der sowjetischen Vergangenheit auseinander. Mit der Geschichte einer überzeugten Kommunistin offenbart er die unüberbrückbare Kluft zwischen den kommunistischen Idealen und der tragischen Realität der Tatsachen.

Der Film Der Mensch, der alle verwunderte überrascht tatsächlich alle, auch die Kinobesucher*innen. Um den Tod zu täuschen, wechselt der Held seine Gender-Identität. Den Regisseur*innen Natascha Merkulowa und Aleksey Tschupow gelingt mit diesem Film ein existenzielles Manifest. Das Düsseldorfer Publikum überraschte diese geniale Geschichte schon 2020 kurz vor dem Lockdown.

Dafür ist dort in diesem Jahr der herausragende Filmklassiker Die Kraniche ziehen des Regisseurs Michail Kalatosow im Programm, ein visuell bestechender Film, der sich überzeugend gegen den Krieg auflehnt.

Mit dem Film Hey! Teachers! haben wir wieder einen Dokumentarfilm im Programm. Eine junge Lehrerin und ein junger Lehrer gehen aus Idealismus in die Provinz, um das reaktionäre Unterrichtssystem zu verändern. Sie scheitern. Die Lehrerin resigniert und geht. Der Lehrer bleibt, wird aber bald gekündigt. Veränderung ist ein Prozess über Generationen.

Ende des Films ist der Abschlussfilm der Russischen Filmtage 2022. Regisseur Vladimir Kott inszeniert mit leichter Hand die Geschichte eines Filmemachers, der in einer kreativen Krise steckt und sich von seinem Über-Ich Marcello Mastroianni ermahnen lässt, doch wieder echte Filmkunst zu machen.

Aufgrund der Pandemie müssen wir auf live Publikumsgespräche mit Filmschaffenden leider verzichten. Gespräche per ZOOM sind angefragt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

  • Gudrun Wolff
    für die deutsch-russische Gesellschaft

    Daniel Huhn
    für die Filmwerkstatt Münster

    Bernd Desinger
    für das Filmmuseum Düsseldorf